Teilprojekt der Katholischen Hochschule Freiburg

Wissenschaftliche Leitung:

Prof. Dr. Cornelia Kricheldorff
Prof. Dr. Anne Kellner

Akademische Mitarbeiterinnen:

Noemie Friedrich, M.Sc.
Janka Höld, M.A.

 

Das Teilprojekt der Katholischen Hochschule Freiburg ist dem Handlungsfeld III und somit der Attraktivitätssteigerung des Pflegeberufs zugeordnet.


Forschungsanliegen

Ergebnisse zahlreicher empirischer Studien attestieren der Pflege in Altenpflegeheimen und Krankenhäusern übereinstimmend ungünstige Rahmenbedingungen, die mit hohen Belastungswerten bei Pflegenden einhergehen und sich unter anderem in den überdurchschnittlichen Burnout-Raten und dem Anteil jener, die frühzeitig aus dem Pflegeberuf aussteigen (möchten), widerspiegeln (vgl. Hasselhorn et al. 2005). Vor diesem Hintergrund darf jedoch nicht vergessen werden, dass eine große Anzahl der Pflegefachkräfte ihren Beruf leidenschaftlich gerne ausübt und für sie keine andere Tätigkeit infrage kommt (vgl. Ensik 2014).

Im Rahmen dieses Teilprojekts wird danach gefragt, welche Voraussetzungen und Bedingungen förderlich und notwendig sind, damit Pflegende ihrem Beruf kontinuierlich, gesund und zufrieden nachgehen können.

Hierfür wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt und die Perspektive auf die einzelnen Pflegefachkräfte und ihre individuellen Berufsbiographien gerichtet. Es soll ergründet werden, welche Erwartungen Pflegefachkräfte an ihren Beruf stellen und welche Motive sie antreiben. Werthaltungen, die Einstellung zur eigenen Profession, Selbstwirksamkeitserwartungen sowie das subjektive Sinnerleben werden beleuchtet.

Fokussiert werden dabei die Fragen nach

  • berufsförderlichen (und berufshemmenden) Einflussfaktoren
  • ihrer Wirkung auf die persönliche Motivation, im Berufsfeld zu arbeiten / zu verbleiben
  • der Rolle institutioneller Rahmenbedingungen und individueller Bedürfnisse
  • Unterschieden in Erwartungen, Motivlagen, Professionsverständnis und Selbstwirksamkeitsempfinden der Pflegenden

Damit knüpft das Vorhaben an Forschungsergebnisse an, die den Zusammenhang zwischen Belastungen im beruflichen Alltag, dem Erleben von Wertschätzung und dem subjektiven physischen und psychischen Gesundheitsstatus (vgl. Zander et. al. 2011) im Sinne von Selbstwirksamkeitserleben von Pflegekräften deutlich aufzeigen (vgl. Hinding et. al. 2012). Die Ergebnisse dieser qualitativen Analysen können Ansatzpunkte für mögliche Maßnahmen zur Reduktion von Belastungen (vgl. Kuhnert et. al 2010) sowie zur Personalentwicklung und -bindung liefern, die über die bisher gewählten Strategien hinausgehen (vgl. Mielich & Kricheldorff 2016).


Methodisches Vorgehen

Das Forschungsdesign des Teilprojekts sieht den Einsatz verschiedener Analyse- und Erhebungsmethoden vor: 

  • Literaturrecherche: Analyse und Aufbereitung des gegenwärtigen Forschungsstands im Hinblick auf die vorliegende Fragestellung.
  • Sekundäranalyse von 75 qualitativen Interviews, die im Kontext anderer Forschungsprojekte erhoben wurden. Durch eine Kombination von induktivem und deduktivem Vorgehen wird das Material mit dem Fokus auf berufshemmenden und berufsfördernden Faktoren ausgewertet.
  • Entwicklung eines Modells, das Auskunft über Wirkmechanismen gibt, die zwischen Arbeitsbedingungen, Arbeitszufriedenheit, Motivation und subjektiver Gesundheit bestehen.
  • Konzeption und Durchführung einer Interviewstudie, im Rahmen derer die benannten Mechanismen empirisch ergründet werden sollen. Vorgesehen ist die Erhebung und Auswertung von bis zu 50 weiteren qualitativen Interviews mit Pflegefachkräften aus verschiedenen Pflegesettings.
  • Triangulation der Ergebnisse mit jenen der anderen care4care-Teilprojekte, um zentralen Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven zu bearbeiten. Auf Grundlage der multiperspektivischen Erkenntnisse werden Ansatzpunkte für mögliche neue Maßnahmen und Innovationen abgeleitet.

Literatur

Ensink, G. (2014): „Und trotzdem möchte ich nichts Anderes tun“. Die kognitive Repräsentation des Pflegeberufs bei Pflegefachkräften in der stationären Altenpflege. Dissertation. Universität Heidelberg, Heidelberg. Institut für Gerontologie. [Online verfügbar unter:] archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/17435/1/Dissertation-G%20Ensink-Endfassung-14%2009%2009.pdf [zuletzt geprüft am 14.07.2017]

Hasselhorn, H.-M.; Müller, B. H.; Tackenberg, P.; Kümmerling, A.; Simon, M. (2005): Berufsausstieg bei Pflegepersonal. Arbeitsbedingungen und beabsichtigter Berufsausstieg bei Pflegepersonal in Deutschland und Europa. Bremerhaven, Dortmund: Wirtschaftsverl. NW Verlag für Neue Wissenschaft; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Hinding, B., Akca, S., Spanowski, M., Kastner, M. (2012): Mit Wertschätzungskultur zu mehr Stolz und Leistungsfähigkeit bei Pflegenden. In: Reichwald, R., Frenz, M., Hermann, S., Schipanski, A. (Hrsg.): Zukunftsfeld Dienstleistungen: Professionalisierung – Wertschätzung – Innovation. Wiesbaden: Gabler.

Kuhnert, P., Hinding, B., Kastner, M. (2010): Wertschätzung fördern und Belastungen reduzieren – die Herausforderung in der Krankenpflege. In: Fuchs-Fronhausen, P., Blass, K., Dunkel, W., Hinding, B., Keiser, S., Klatt, R., Zühlke-Robinet, K. (Hrsg.): Wertschätzung, Stolz und Professionalisierung in der Dienstleistungsarbeit „Pflege“. Marburg: Tectum Verlag: 6-9.

Mielich, A./ Kricheldorff, C. (2016): Neue Wege beschreiten. Konzepte von neuer Führung als eine Interventionsmöglichkeit für eine alterns- und generationengerechte Beschäftigung in Pflege und Sozialer Arbeit. In: Becke, G., Bleses, P., Frerichs, F., Goldmann, M., Hinding, B., Schweer, M.: Zusammen – Arbeiten – Gestalten. Soziale Innovationen in sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen. Wiesbaden: Springer VS: 203-222.

Zander, B., Dobler, I., Busse, R. (2011): Studie spürt Gründen für Burnout nach. Psychische Erkrankungen kommen in der Pflege überproportional häufig vor. Pflegezeitschrift, Jg. 64, Heft 2:98-101.