Teilprojekt der Hochschule Esslingen

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Gabriele Fischer
Prof. Dr. Karin Reiber

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:
Tanja Höß, M.A.
Nora Lämmel, M.A. (Projektkoordinatorin)
Jutta Mohr, B.Sc., M.A.
Dorothee Müller, B.A.
Isabelle Riedlinger,  M.A.

Das Teilprojekt der Hochschule Esslingen adressierte vorrangig die beiden Handlungsfelder:

Handlungsfeld I: Vorhandene Fachkräfte im Pflegeberuf halten
Handlungsfeld II: Neue Fachkräfte gewinnen bzw. neue Potenziale erschließen

In der ersten Förderphase wurde der Fokus auf die betriebliche Personalpolitik und den strukturellen und gesellschaftspolitischen Rahmen, in dem sie stattfindet gelegt. Um dies umfassend untersuchen zu können, wurde ein empirischer Zugang mit drei unterschiedlichen Methoden gewählt:

  • Zu Beginn wurden explorative Expert*innen-Interviews durchgeführt, um zentrale Themen aus dem Feld heraus zu identifizieren und daraus die leitenden Forschungsfragen zu konkretisieren.  
  • Mit einer mehrstufigen Delphi-Befragung wurden betriebliche Maßnahmen und ihre Umsetzungsintensität erfasst, aber auch Forderungen an branchenrelevante Stakeholder erhoben sowie politische Aktivitäten von Leitungskräften des Mittleren Managements auf ihre Erfolgsaussichten hin bewertet.
  • Mit mulitperspektivischen Betriebsfallstudien wurde der Fokus auf die konkrete betriebliche Praxis im Umgang mit Fachkräftebedarf in der Pflege gerichtet und damit die Umsetzung von Konzepten mit ihren Möglichkeiten, Widersprüchlichkeiten und Begrenzungen analysiert.
  • Abschließend wurden validierende und ergänzende Expert*innen-Interviews mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis geführt.

Die Ergebnisse der unterschiedlichen Zugänge wurden über die gesamte Förderphase eng miteinander verzahnt und jeweils aufeinander bezogen. Daraus wurden Impulse für die weiteren Erhebungsphasen gewonnen.


Expert*innen-Interviews

Zu Beginn des Projekts wurden explorative Expert*innen-Interviews geführt, um aus dem Feld heraus die relevanten Themen in Bezug auf die Fachkräftesicherung zu identifizieren. Im Abgleich und der Ergänzung der Literaturrecherche wurden Schlüsselthemen wie Ausbildung, Personalentwicklung, Finanzierung etc. abgeleitet, auf deren Grundlage die Erhebungsinstrumente der Delphi-Befragung und fokussierten multiperspektivischen Betriebsfallstudien entwickelt wurden.

Am Ende der ersten Förderphase fanden vertiefende Expert*innen-Interviews statt, um die Ergebnisse der Delphi-Befragung und Betriebsfallstudien zu validieren. Zudem dienten diese Interviews auch dazu, weitere spezielle Fragestellungen, die im Verlauf des Projekts auftraten, zu analysieren.

Ansprechpartnerin:
Jutta Mohr


Delphi-Befragung

Wie handeln Verantwortliche in den Einrichtungen, um dem Fachkräftebedarf aktiv zu begegnen? Welche weiteren Ideen und Forderungen werden von Leitungspersonen formuliert? Diese und andere Fragen wurden mittels der onlinegestützten dreistufigen Delphi-Befragung gestellt. Um das betriebliche (Nicht-)Handeln erfassen zu können, wurden Expert*innen der Region Neckar-Alb und dem Stadtkreis Stuttgart befragt, die als pflegefachliche Leitungen oder Schulleitungen von Betrieben und Einrichtungen für Personalfragen mit verantwortlich sind.

In der ersten Runde wurden Einschätzungen zum Pflegefachkraftbedarf in Baden-Württemberg und in der eigenen Einrichtung sowie Maßnahmen der Fachkräftesicherung innerhalb der einzelnen Einrichtungen erfasst und die dafür erforderlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen als auch die hemmenden Faktoren erfragt. Daneben wurde ein Ranking der wichtigsten Themen in Bezug auf die Fachkräftesicherung durchgeführt.

In der zweiten Runde wurden die Maßnahmen präzisiert, indem deren Anwendung bzw. Gründe für Nicht-Anwendung abgefragt wurden. Ergänzend wurden offene Fragen zu weiterführenden Ideen und Forderungen an die unterschiedlichen Akteursgruppen, wie Gewerkschaften, Politik, Berufsverbände etc. gestellt.

In der dritten Runde wurden alle bisher genannten Handlungsansätze und weiterführende Ideen thematisch zusammengefasst, um Sie im Hinblick auf ihren Stellenwert hinsichtlich der Berufs- und Arbeitgeberattraktivität zu bewerten. Zusätzlich wurde nach „Erfolgsfaktoren“ gefragt, aus welchen Gründen es manchen Einrichtungen (sehr) gut gelingt, ihren Fachkräftebedarf zu decken und anderen nicht.

Ansprechpartnerinnen:
Nora Lämmel
Jutta Mohr


Fokussierte multiperspektivische Betriebsfallstudien

Die qualitativen multiperspektivischen Betriebsfallstudien haben die betriebliche Praxis in den Fokus genommen und dabei betriebliche Handlungsmöglichkeiten differenziert betrachtet. Analysiertwurden unterschiedliche Handlungskonstellationen im Kontext des Pflegefachkraftbedarfs in vier verschiedenen Betrieben der stationären Akut- und Langzeitpflege. Ziel der Betriebsfallstudien war es, Handlungsideen, praktische Maßnahmen und Umsetzungsspielräume aus unterschiedlichen Positionen und Akteursebenen (Leitung, Beschäftigtenvertretung, Pflegefachkräfte, etc.) und aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Die Integration der verschiedenen Perspektiven ermöglichte es, förderliche und hemmende Faktoren von Maßnahmen und Strategien zur Personalgewinnung, -bindung und -entwicklung zu identifizieren sowie Wechselwirkungen zwischen diesen und Widersprüche zu identifizieren. Aus der Zusammenschau ließ sich ein differenzierter Blick auf betriebliche Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Als Erhebungsmethoden kamen leitfadengestütze Interviews und Gruppendiskussionen zum Einsatz, die Daten wurden mit der Dokumentarischen Methode ausgewertet.

Ansprechpartnerin:
Isabelle Riedlinger